5. Sonntag der Osterzeit

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes.

Wie lange werden wir solche Erstkommunionen noch feiern? Immer mehr Frauen und Männer in der Kirche denken über Reformen nach. Es muss etwas geschehen, denn die Priester, die es für solche Feste wie das heute braucht, werden immer weniger. Es gibt kaum Gläubige, die genug wissen und genug glauben, um mitarbeiten zu können. Der Aufwand ist riesig, und die Wirkung ist klein. Wir hoffen jedes Jahr, die Kommunionkinder seien am Sonntag nach dem Fest wieder in der Messe. Vergeblich. In vielen Stadtvierteln sind die Katholiken schon eine Minderheit. Die Streichung des Kirchenbeitrags wird immer lauter gefordert. Dann wäre die Kirche arm. Und frei. Denn keiner würde mehr sagen können: „Ich gehe nicht zur Kirche, ich glaube nicht an Gott, aber ich will eine Taufe für mein Enkerl, dann und dann, so und so. Ich zahle schließlich Kirchenbeitrag!“ Wenn man alles zusammennimmt, dann liegt es doch auf der Hand, dass immer mehr Frauen und Männer der Kirche sagen: Warum sollen wir den gewohnten Betrieb eigentlich weiterführen? Können wir das überhaupt? Ist es nicht Zeit, etwas ganz Neues auszuprobieren? Vielleicht erleben diese Kinder hier den Tag, wo die Christen von Mailberg sich von diesem Kirchenbau verabschieden, zum Tabernakel gehen, den Kelch mit der heiligen Hostie herausnehmen und ihn feierlich in irgendein Haus in Mailberg tragen. Dort werden sie Messe feiern und beten, sich im Glauben weiterbilden. Dann wird dieses Gebäude hier leer stehen. Die Kirche ist dort, wo die heilige Hostie ist, wo Frauen und Männer und Kinder sind, die wirklich glauben. Das ist die Vision der Kirche der Zukunft: ein Haus für alle, die glauben. Ein Haus das offen ist für alle, die suchen.

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Das ist ja das Schöne und das Schwierige an so einer Kommunion: Da denkt man erst: suchen? Was gibt es denn zu suchen? Da denkt sich eine Mutter: „Zweite Klasse. Natürlich melde ich mein Kind zu Kommunion an; damit es dazugehört… Die Tischmütter oder der Pfarrer werden ein Bisschen was Religiöses reden, die Kinder singen Kinderlieder, backen Brot, und dann ist Kommunion.“ Und dann geschieht etwas ganz Unerwartetes: Plötzlich steht man vor den großen Fragen, die der Alltag eben nicht stellt: Liebe, Gemeinschaft, Schuld, Vergebung, Tod und Leben. Und… Gott. Mit einem Mal geht es um Gott. Genau das ist der Grund, warum wir derzeit noch weiter tun: Weil sich bei manchen eben doch etwas bewegt. Weil Kinder, die kaum je von Gott gehört haben, Ministranten werden. Weil ihre Eltern nachdenklich werden und wieder öfter zur Messe kommen.

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Jede Messe muss etwas haben vom Glanz des Himmels. Und vom wahren Leben. Im wahren Leben gibt Streit und Versöhnung, untreue Ehemänner und rachsüchtige Frauen, randalierende Jugendliche und böse Konkurrenz unter Geschäftsleuten; da gibt es Schulaufgaben, die erste Liebe und das Ende der Liebe. Und da gibt es Gott. Mitten drin. In der Lesung steht der Satz: „Gott wird in ihrer Mitte wohnen.“ Das ist die Vision der Zukunft. Christus hat gesiegt. Das Reich Gottes wächst uns entgegen. Wir müssen es nur wahrnehmen. Das geht aber nur, wenn wir erfahren, dass Christus gegenwärtig ist. Wenn unsere Pfarre, unsere Messe, wenn jede Kommunion so ist, dass wir Christus erfahren und spüren, wie sich unser Leben durch ihn verändert. Kommunion bedeutet: Christus begegnen. Ihn erfahren.

Eine böse Kommunion ist die des Judas. Judas ist der Apostel, der von Jesus selbst die Kommunion empfängt, der die Hand ausstreckt und das Brot nimmt und Jesus ins Gesicht hinein sagt: „Nein! Ich glaube dir nicht! Und ich werde deiner Kirche nicht glauben.“ Und der hinausgeht und Jesus verrät. Was sagt Jesus von Judas? „Es wäre besser, er wäre nie geboren.“ Eine traurige Kommunion ist die, wo einer kommt, ohne sich Fragen zu stellen, ohne zu glauben, ohne zu lieben. Einfach so, weil alle nach vorne laufen. Die gedankenlose Kommunion ist nur traurig. Eine gute Kommunion ist die, wo einer zum Altar kommt und sagt: „Das alles ist schwer zu glauben. Hilf mir, dass ich glauben kann.“ Die beste Kommunion ist die, wo der Mensch zum Altar kommt und glaubt, was Jesus beim Letzten Abendmahl gesagt hat: „Das ist mein Leib.“ – „Das ist nicht Brot, sondern das bin ich selbst.“ Die beste Kommunion ist die, wo einer Jesus in sein Leben lässt.

Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin




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