Hl. Nicasius

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Den möchte ich sehen, der von sich behaupten kann, er ginge ganz und gar unerschrocken durchs Leben. Wenn wir uns ablenken, unsere Gedanken disziplinieren oder Fragen ausklammern, dann vergessen wir den Schrecken vielleicht. Aber er bleibt. Weil die Sorge um unsere Lieben bleibt und der Gedanke an den Tod. Und wenn die nicht wären, wäre da noch die große Zahl und das Vergessen. Das schreckt uns in die Tiefe: dass da so viele sind und dass alle vergessen werden. Dazu noch die Gewalt, die des einzelnen nicht achtet. Und die Geschichte, die einem Mahlstrom gleicht. Selbst die Kirche kann erschrecken in ihrer Größe. Nehmen sie die Kirche an diesem Tag. Sie feiert den hl. Nicasius – indem sie, scheinbar ungerührt, sein Leben in Formeln gießt. „Dass wir nach dem Vorbild des hl. Nicasius mit gläubigem Herzen das Leidensgeheimnis deines Sohnes feiern…“ So wendet sich die Kirche im Gabengebet dieser Messe an Gott. Aber was wissen wir dabei wirklich vom Herzen dieses hl. Ritters? Vor all dem Erschrecken und Bangen ist dieser Tag ein Trost: das Fest des hl. Nicasius. Ein Ritter dieses Ordens und Märtyrer.

Zuerst scheint dieses Fest beinahe wie eine Karikatur der katholischen Heiligenverehrung. „Nicasius? Kenne ich nicht!“ Einer der zahllosen Heiligen mit seltsamem Namen und diffuser Lebensgeschichte. Aus Sizilien habe er gestammt, heißt es; in Palästina (oder auf dem Balkan?) hat er gekämpft und fiel in die Hand der Feinde. Im Jahr 1187 wurde der Christ und Ritter – zusammen mit seinem Bruder Ferrandino – enthauptet. Mehr ist nicht zu wissen von diesem Heiligen. Das Wenige geht zwischen Geschichte, Legende und Ritter-Roman. Aber da ist immerhin sein Name: Nicasius. Der als Ritter beginnt – und endet als Martyrer. Der Weg geht also vom Vieldeutigen – was kann ein Ritter nicht alles sein? – zum Eindeutigen: Der Märtyrer ist der, der für Christus stirbt. Den Ehrentitel „Märtyrer“ bekommt nur der, dessen Tod eindeutig ist. Tapferkeit, Leiden, Verteidigung der Wahrheit… das alles ist zweitrangig. Entscheidend ist: für Christus. In seiner Nachfolge.

Nicasius… ein Name, immerhin. Ein Name in einer endlosen Reihe ohne Namen. Allein alle die, die diesem Ritter begegnet sind auf seinen Wegen. So viele Menschen, die keinen Namen mehr haben. Gegen diese Art des Vergessens und gegen den Schrecken, der damit einhergeht, setzt die Kirche ein Wort. Ein leuchtendes, tröstliches Wort: „Gemeinschaft der Heiligen.“ Wir glauben die Gemeinschaft der Heiligen. Also nicht das Zerfließen und Vergessen, sondern Sammlung. Gemeinschaft, das bedeutet doch Verbindung statt Anonymität. Der hl. Nicasius hat denselben Christus empfangen in der Kommunion wie Sie und wie ich. So entsteht Gemeinschaft.

Das Leben hat seinen Schrecken. Nichts ist erstaunlich, nichts ist unmöglich. Dass wir unser Vermögen verlieren, dass wir im Gefängnis landen wie die Christen, von denen die Lesung spricht, ist nicht unmöglich. Das Konzentrationslager ist nicht unmöglich und die Wiederholung des KZ’ ist nicht unmöglich. Es gibt kein Halten: Selbst die Beziehungen, die wir für die stabilsten halten, werden fortgewirbelt. „Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder…“ Und wenn wir nicht persönlich betroffen sind, sind wir „Mitbetroffene“, wie es in der Lesung aus dem Hebräerbrief heißt (Hebr 10,33). Jesus hat es uns (voraus)gesagt. Nichts darf uns wundern. Nichts erschrecken. Nicht weil wir stumpf sind wie Vieh oder unrührbare Philosophen oder Spartaner, die gelernt haben, den Schmerz zu verachten. Nein, das alles sind Christen nicht. Christen wissen nur eines: „Weder Leben noch Tod noch irgendeine Kreatur können uns scheiden von der Liebe Christi“ (Kommunionvers der Messe). Wir sind immer und überall Geliebte. Nicasius, der heilige Ordensritter, wir hier, alle die vielen, vielen dort draußen irgendwo: alle zusammen sind Geliebte. Geliebt von Christus.

Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin




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