Bernhard von Clairvaux

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes.

Vor Beginn der Hl. Messe beten wir hier den „Engel des Herrn“: Maria ist allein, als der Engel bei ihr eintritt. In der Lesung heißt es heute: „Sie“ – die Weisheit – „geht ihm entgegen“; sie „nimmt ihn auf“, den Menschen; er „stützt sich auf sie“; er „vertraut auf sie“. Auch hier ist einer allein; dann tritt die Ewige Weisheit auf ihn zu. Sie sind zwei. Nicht eine Gruppe; keine muntere vielstimmige Gemeinschaft. Nur ein Vis-à-vis. Einer ist einem anderen gegenüber.

Wir feiern heute zusammen mit der ganzen Kirche das Fest des hl. Bernhard von Clairvaux: Mitbegründer des Zisterzienserordens, also Mönch. Das Wort „Mönch“ leitet sich her vom griechischen „monos“: allein. Der Mönch ist der, der allein ist. Besser: der allein auf Gott trifft. Die allerersten Mönche waren die Einsamen. Gemeinschaft ist immer Zutat?

Bernhard, ein Mann ritterlicher Herkunft, wurde um 1090 geboren. Das Anliegen seiner Jugend war die Reform des Klosterlebens. Reform bedeutet immer Suche nach der wahren Gestalt. Wie war es gemeint, am Anfang? Wie soll es sein? Was ist gut? Was ist die Wahrheit? Solche Fragen bewegen die Reformer – und führen sie ganz zwangsläufig in die Diskussion mit anderen, in die Öffentlichkeit, in die Gemeinschaft. Wer allein ist mit Gott, der muss nur sich selbst reformieren. Hören und handeln. Vielleicht ist das das Erste? Bernhard war Mönch – und ein öffentlicher Mann. Politiker von europäischen Dimensionen, Friedensstifter in zahlreichen Konflikten und gleichzeitig Anstifter zum Kampf bis zur Erbarmungslosigkeit. Kritiker des Adels, der Theologen, der Päpste, gleichzeitig Verteidiger des Papsttums, selbst Theologe, zärtlicher Mystiker und Inspirator der geistlich-adeligen Ritterorden. Die Faszination, die von ihm ausging, muss ungeheuer (sic) gewesen sein. Er zog Novizen so zahlreich an, dass beinahe im Zweijahresrhythmus ein neues Kloster aufgebaut werden musste. Insgesamt gründete Bernhard 68 Klöster; 164 Abteien unterstanden seiner geistlichen Führung. Seine Predigten versetzen alle in Begeisterung, europaweit, vom Volk (das oft seine Sprache gar nicht verstehen konnte…) bis hin zu den Königen. „Sanft und radikal“, sei er gewesen, heißt es, „zerbrechlich und stark, aktiv und kontemplativ, unversöhnlich und empfänglich für Freundschaft.“ Und, fügen wir hinzu, Mönch und Nicht-Mönch. Ein Mann, den die Sehnsucht nach dem Ideal des Klosters umtreibt, der dieses Ideal aber nicht leben kann. Denn er steht im Zentrum der Öffentlichkeit und eben gerade nicht in der immerwährenden Einsamkeit mit Gott. Reformen werden immer wieder unternommen und immer wieder scheitern sie. Nichts, was ideal begonnen wurde in der Kirchengeschichte (und in der Geschichte überhaupt), hat Bestand. Das Einzige, was durchgehend ist, ist die Suche nach dem Ideal und das Scheitern darin. In diesem Sinn ist auch die Diskussion Einsamkeit oder Gemeinschaft? nicht zu Ende zu führen. Es muss die Frage geben, die umtreibt und aufbrechen lässt; aber wer immer fragt und sucht, muss wissen, dass es keine Antwort gibt, die für alle und zu allen Zeiten gilt. Jesus beruft einzelne und Gruppen; in der Hl. Messe feiert die Gemeinschaft, das Volk Gottes – und der Einzelne trifft auf seinen Herrgott. Wir sind beides: Individuen und Gemeinschaftswesen.

Was der Kirche heute fehlt, ist der Sinn für das Alleinsein. Das Lob der Einsamkeit. Einsamkeit gilt es Unglück. Als das zu Beseitigende (Meetings, Partnersuche, der laufende Fernseher). Das Fest des hl. Mönches Bernhard lehrt uns das Gegenteil. Wir alle sind allein oder doch auch allein. Die Begegnung mit dem Mönch kann uns zeigen: Es ist gut so. Keine Angst! Eine absolute Einsamkeit gibt es (für den Gläubigen) nicht; allenfalls eine gefühlte. Gott ist immer da. Die Einsamkeit des Mönches meint also: allein mit Gott. Das ist es, was die Kirche braucht. Frauen und Männer, die ihr Wohlergehen nicht von anderen abhängig machen., die sich selbst ertragen können und die Fähigkeit erworben haben, sich selbst zu leiten. Männer und Frauen, die allein sein können mit Gott. Die bereit sind, für sich zu sein und auf Gott zu warten; egal, wann und wie er erscheint. Erst wenn das gelingt, wird der zweite Teil der heutigen Lesung wahr: Die Weisheit öffnet dem Menschen „den Mund in der Versammlung“.

Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin




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